Landrat Bernhard kündigt harte Konsequenzen für Hersteller CAF an

Der Bahnbetrieb wird mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres vollständig eingestellt. Ein umfassender und verlässlicher Schienenersatzverkehr bleibt bestehen. Die Kosten dafür werden dem Fahrzeughersteller CAF in Rechnung gestellt.

Angesichts der andauernden und für die Fahrgäste unzumutbaren Zustände bei der Schönbuchbahn greift der Landrat des Kreises Böblingen und Verbandsvorsitzende des Zweckverbands Schönbuchbahn (ZVS), Roland Bernhard, jetzt mit aller Härte durch. Nach wiederholten, kurzfristigen Ausfällen der neuen Elektrotriebwagen des spanischen Herstellers CAF und den damit verbundenen, nicht haltbaren Zusagen wird der Bahnbetrieb ab sofort eingestellt.

„Das Maß ist voll“, so Landrat Roland Bernhard. „Wir lassen uns und vor allem die vielen tausend Pendler und Fahrgäste in unserem Landkreis nicht länger von der Firma CAF hinhalten. Was hier abgeliefert wurde, ist eines führenden Schienenfahrzeugherstellers unwürdig und für eine wirtschaftsstarke Hightech-Region wie unsere schlicht inakzeptabel. Die ständigen Pannen, die kurzfristigen Ausfälle und die gebrochenen Versprechen haben das Vertrauen in den Hersteller fundamental zerstört.“

Der Zweckverband hatte mehrfach versucht, den Betrieb mit den neuen, elektrischen Zügen aufzunehmen. Diese Versuche scheiterten immer wieder an technischen Mängeln und Softwareproblemen der Neufahrzeuge. Zuletzt war der Betrieb selbst mit einer Minimalzahl an Zügen nicht mehr verlässlich aufrechtzuerhalten. Mal waren vier, dann nur zwei Züge verfügbar.

„Meine oberste Priorität ist die Verlässlichkeit für Schüler, Auszubildende und Berufspendler“, stellt Bernhard klar. „Ein unzuverlässiger Bahnbetrieb, der von Tag zu Tag neu geplant werden muss, schadet dem Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr massiv. Deshalb ziehen wir jetzt die Notbremse. Wir werden den stabilen und planbaren Schienenersatzverkehr mit Bussen den ganzen Februar beibehalten, auf den sich die Menschen verlassen können. Das ist eine ehrliche Lösung, auch wenn sie nicht so komfortabel ist, wie ein reibungsloser Zugverkehr.“

Der Landrat macht unmissverständlich klar, wer die Verantwortung für dieses Fiasko trägt: „Der Zweckverband hat seine Hausaufgaben gemacht. Wir haben für fast 200 Millionen Euro die Strecke für die Zukunft ertüchtigt und nagelneue Fahrzeuge eingekauft. Der Hersteller CAF hat es bis heute nicht geschafft, uns funktionierende Züge zu liefern. Die vollen Kosten für den notwendigen Schienenersatzverkehr und alle weiteren entstehenden Schäden werden wir CAF in Rechnung stellen. Wir werden uns schadlos halten.“

Der Bahnbetrieb auf der Schönbuchbahn wird erst dann wieder aufgenommen, wenn der Hersteller mindestens sechs voll funktionsfähige Fahrzeuge für den Dauerbetrieb bereitstellt. Bis dahin gibt es ausschließlich den Schienenersatzverkehr. Und Bernhard setzt ein weiteres Ultimatum: „Wir erwarten, dass dies bis 23. Februar passiert, sonst kollabiert der öffentliche Nahverkehr längs der Schönbuchbahn komplett, weil dann auch der Schienenersatzverkehr wegen einer geplanten Straßenbaustelle in Weil im Schönbuch behindert ist.“