FAQ zur aktuellen Betriebslage der Schönbuchbahn

Sehr geehrte Fahrgäste,
wir verstehen Ihren Frust und Ihre Verärgerung über die aktuelle Situation der Schönbuchbahn. Die andauernden Ausfälle und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten sind auch für uns nicht hinnehmbar.
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle die häufigsten Fragen offen und ehrlich beantworten.

1. Warum fährt die Schönbuchbahn nicht bzw. warum gibt es ständig Ausfälle?

Die Ursache sind massive technische Mängel an den neuen Elektrotriebzügen des Herstellers CAF. Diese haben wiederholt zu kurzfristigen Ausfällen geführt und einen verlässlichen Betrieb nicht ermöglicht. Um dieses ständige Hin und Her aus Teilbetrieb, Ausfall und kurzfristigen Änderungen zu beenden und Ihnen Planbarkeit zu geben, haben wir uns entschieden, den Zugbetrieb vorübergehend vollständig einzustellen und stattdessen einen stabilen Schienenersatzverkehr anzubieten.

2. Wann fahren die Züge endlich wieder normal?

Der Zugbetrieb soll ab Montag, 23.02.2026 starten. Erst dann stehen mindestens sechs voll funktionsfähige und für den Dauerbetrieb zugelassene Züge zur Verfügung. Die Verlässlichkeit des Fahrplans haben für uns oberste Priorität.

3. Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit die Züge wieder funktionsfähig sind?

Der Hersteller leitet zur Stabilisierung der Situation ein breit angelegtes Maßnahmenpaket ein. Das Team vor Ort wird verdoppelt. Ein neuer, erfahrener Instandhaltungsleiter ist benannt und bereits im Einsatz. Zudem werden Experten von anderen CAF-Standorten und aus dem Stammwerk in Spanien nach Böblingen beordert. Mit einer auf 18 Mitarbeiter verstärkten Mannschaft in der Werkstatt wird ab sofort in einem Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet.

Der Fokus liegt zunächst auf Stufe 1, dem stabilen Halbstundentakt. Innerhalb eines Monats stellt CAF dann Klarheit her, bis wann die weiteren Fahrzeuge zur Verfügung gestellt werden können (Stufe 2), die für den 15-Minuten-Takt auf der Schiene benötigt werden.

4. Wer ist für die Ausfälle verantwortlich und wer bezahlt den teuren Schienenersatzverkehr?

Die alleinige Verantwortung für die technischen Mängel der Züge liegt beim Hersteller CAF. Der Zweckverband Schönbuchbahn wird dem Hersteller die vollen Kosten für den Schienenersatzverkehr und alle weiteren entstandenen Schäden in Rechnung stellen. Wir werden alles daran setzen, dass der Steuerzahler für dieses Versäumnis nicht aufkommen muss.

5. Warum ist der Schienenersatzverkehr (SEV) überfüllt und unpünktlich?

Wir wissen, dass der SEV kein vollwertiger Ersatz für die Bahn ist. Er ist eine Notlösung. Um die Situation zu verbessern, setzen wir auf den Hauptstrecken Gelenkbusse ein und fahren zu Stoßzeiten mit zwei Bussen pro Verbindung. Der Fahrplan basiert auf einem normalen Straßenverkehr. Staus und Baustellen bremsen auch die Busse aus. Klar ist: Die einzige wirkliche Lösung ist die Rückkehr auf die Schiene.

6. Warum hält der SEV-Bus nicht an allen Haltestellen für die Schulen?

Die Routen des SEV sind so geplant, dass die Busse möglichst schnell sind und die wichtigen Anschlüsse an die S-Bahn in Böblingen erreicht werden. Jeder zusätzliche Halt würde die Fahrzeit für alle Fahrgäste verlängern und dazu führen, dass viele ihre Anschlüsse verpassen. Dies ist eine bewusste Abwägung und ein Kompromiss, den wir in dieser Ausnahmesituation eingehen müssen.

7. Wieso erfährt man von Ausfällen erst, wenn es zu spät ist?

Die Aktualisierung der Daten in den Apps ist leider nicht in Echtzeit möglich. Abweichungen vom Fahrplan (Verspätungen, Ausfälle) werden zwar sofort in einem Meldesystem eingegeben, aus dem die Apps des VVS und der DB gespeist werden. Aber es kann systembedingt mehrere Stunden dauern, bis diese in allen Auskunftsmedien korrekt angezeigt werden. Der VVS bietet einen Benachrichtigungsservice sowohl in seiner App als auch per E-Mail an, damit man über Störungen und Änderungen informiert wird: Aktuelle Meldungen: VVS.

8. Warum sind Informationen in der VVS-App und im DB Navigator oft falsch?

Die Aktualisierung der Daten in den Apps ist leider nicht in Echtzeit möglich. Abweichungen vom Fahrplan (Verspätungen, Ausfälle) werden zwar sofort in einem Meldesystem eingegeben, aus dem die Apps des VVS und der DB gespeist werden. Aber es kann systembedingt mehrere Stunden dauern, bis diese in allen Auskunftsmedien korrekt angezeigt werden. Der VVS bietet einen Benachrichtigungsservice sowohl in seiner App als auch per E-Mail an, damit man über Störungen und Änderungen informiert wird: Aktuelle Meldungen: VVS.

9. Bekomme ich eine Entschädigung oder mein Geld für das Ticket zurück?

Laut Gemeinschaftstarif des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (§15) sind Erstattungen wegen Betriebsstörungen oder
-unterbrechungen ausgeschlossen.

Wir teilen Ihren Ärger über die aktuelle Lage. Seien Sie versichert: Wir kämpfen mit aller Härte für Ihr Recht auf einen funktionierenden, zuverlässigen Nahverkehr und werden gegenüber dem Hersteller nicht nachgeben.

Zweckverband Schönbuchbahn

FAQ zum Fahrzeugbeschaffungsprozess

1. Warum musste die Schönbuchbahn ausgebaut werden?

Die Schönbuchbahn war seit ihrer Reaktivierung 1996 ein großer Erfolg. Die Fahrgastzahlen übertrafen die Erwartung von 2.500 Fahrgästen pro Tag um ein Vielfaches. Aktuelle Prognosen gehen von 14.000 Fahrgäste pro Tag aus. Die bestehende Infrastruktur war dieser Belastung nicht mehr gewachsen: Die Züge waren in den Hauptverkehrszeiten überfüllt und es kam ständig zu Verspätungen. Da die Strecke eingleisig war, übertrug sich jede kleine Verzögerung sofort auf den Gegenverkehr, was oft zum Verpassen von Anschlüssen in Böblingen führte.

2. Hätten nicht einfach neue Dieselzüge gereicht?

Nein, das hätte die Probleme sogar verschärft. Die eingesetzten Dieselzüge näherten sich dem Ende ihrer Lebensdauer, wurden jedoch nicht mehr hergestellt. Neue Züge waren zu schwer und zu langsam. Ihr Einsatz hätte die Fahrzeit verlängert und den bestehenden 30-Minuten-Takt unmöglich gemacht. Ein „Weiter so“ mit neuer Dieseltechnik hätte für mehr Geld ein langsameres und unattraktiveres Angebot bedeutet. Zudem hätten die Emissionen weiterhin die Anwohner entlang der Strecke belastet.

3. Wie sah die Lösung mit der Elektrifizierung aus?

Um die Schönbuchbahn zukunftsfähig zu machen, wurde eine dreiteilige Lösung beschlossen:

  1. 15-Minuten-Takt: Um die hohe Nachfrage zu bewältigen und verlässliche Anschlüsse zu sichern, wurde der Takt zwischen Böblingen und Holzgerlingen verdoppelt.
  2. Zweigleisiger Ausbau: Ein 15-Minuten-Takt ist auf einer eingleisigen Strecke nicht möglich. Daher mussten Streckenabschnitte zweigleisig ausgebaut werden, damit sich Züge begegnen können.
  3. Elektrifizierung: Elektrische Züge beschleunigen schneller als Dieselfahrzeuge. Diese hohe Fahrdynamik ist zwingend nötig, um den engen Fahrplan einzuhalten. Zudem ist der Elektroantrieb umweltfreundlicher und langfristig wirtschaftlicher.

4. Warum wurde kein Standard-Zug gekauft?

Zum Zeitpunkt der Entscheidung (ca. 2014) gab es auf dem Markt kein passendes Standardfahrzeug. Die damals erhältlichen Eisenbahnfahrzeuge waren für die Anforderungen der Schönbuchbahn zu schwer, boten bei gleicher Länge weniger Sitzplätze und waren für höhere Geschwindigkeiten auf Hauptstrecken ausgelegt. Ihr Einsatz wäre ineffizient gewesen und hätte die Gleise stärker abgenutzt. Straßenbahnen dürfen schon aus rechtlichen Gründen die Strecke der Schönbuchbahn nicht befahren. Sie wären ohnehin zu langsam und hätten nicht zu den Dimensionen der vorhandenen Bahnsteige gepasst.

5. War die Beauftragung einer Neuentwicklung nicht riskant?

Eine passgenaue Lösung war damals der einzig gangbare Weg, um das Verkehrskonzept umzusetzen. Die Entscheidung wurde nach sorgfältiger Abwägung aller Risiken getroffen. Aus einem rechtlich vorgeschriebenen, europaweiten Wettbewerb ging der spanische Hersteller CAF als wirtschaftlichster Anbieter hervor.

6. Wer ist CAF?

Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) hat internationales Renommee. Es ist ein führender, 1917 gegründeter Hersteller von Schienenfahrzeugen mit Sitz in Spanien und Standorten in weiteren europäischen Ländern. Auch in Deutschland ist CAF präsent. Neben der Münchner Hauptniederlassung hat es wichtige Servicestandorte u.a. in Gelsenkirchen, Freiburg, Essen. Das Unternehmen produziert mit seinen 17.000 Mitarbeitern U-Bahnen, Straßenbahnen, Regionalzüge sowie Hochgeschwindigkeitszüge.

7. Könnten nicht einfach andere Züge als Ersatz fahren?

Während des Zulassungsprozesses der Nexio-Züge setzte der Zweckverband zur Überbrückung vorübergehend Elektrozüge der älteren Baureihe ET 426 ein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese als Ersatz ungeeignet sind: Sie waren unzuverlässig und extrem teuer in der Instandhaltung. Der Markt für andere gebrauchte oder neue Ersatzzüge ist derzeit leer, da in ganz Deutschland viele Fahrzeuge für das einheitliche europäische Zugbeeinflussungssystem (ETCS) umgerüstet werden und daher selbst gebraucht werden.